Die intimste Bühne der Stadt.
Girardihaus Graz
Girardihaus Graz
Oder kann in den gleichen Räumen auch Anderes, Unvorhergesehenes stattfinden? Kann aus einem privaten Raum ein Raum für alle werden?
Die Kunstuni Graz wird im Girardihaus ein wegweisendes neues Programm für angewandtes Kulturmanagement etablieren und das Girardihaus als Veranstaltungsort für die Allgemeinheit öffnen. Hier bekommen Studierenden die Möglichkeit, für jeweils 1 Jahr die Intendanz für den Veranstaltungsort zu übernehmen und im Rahmen eines „training on the job“ das Rüstzeug für die Leitung eines Hauses zu erlangen.
Die jährlich wechselnde Intendanz, getragen von einem offenen, experimentellen Geist, wird das denkmalgeschützte Haus in ständiger inhaltlicher Weiterentwicklung halten.
Die konzeptionellen Offenheit und Prozesshaftigkeit der neuen Nutzung findet ihre räumliche Entsprechung in einer aufgesetzten Konstruktion aus filigranen Formrohren, die sich mit bewusster Leichtigkeit über das historische Gebäude legt und in weiterer Folge im Bereich des Durchgangs zum Hof ein Tor formuliert. Die Formensprache des Gerüsts fungiert dabei als architektonisches Leitmotiv für Transformation und Wandel. Es steht symbolisch für eine Nutzung, die nicht auf Dauerhaftigkeit im klassischen Sinne abzielt, sondern sich bewusst als prozesshaft, offen und in stetiger Veränderung versteht.
Die architektonische Intervention ist als eigenständige, zeitgenössische Schicht wirksam, ohne die historische Bausubstanz zu überformen. Die Trennung von Alt und Neu bleibt ablesbar, die historische Präsenz und Charakteristik des Girardihauses bleiben erhalten. Als gestalterisches Element verweist die Gerüstinstallation auf das temporäre, provisorische Moment künstlerischer Arbeit – auf eine „ewige Baustelle“ im positiven Sinn: als Ort des Denkens, Entwerfens, Weiterentwickelns.
Die Gerüstinstallation trägt die kulturelle Funktion des Hauses in die Öffentlichkeit und wird zu einem Medium der Vermittlung zwischen künstlerischem Programm und urbanem Kontext. Sie lädt dazu ein, das Girardihaus neu zu betrachten – nicht als abgeschlossene historische Figur, sondern als offenen Ort für Alle, als Beitrag zur Aktivierung der Leonhardstraße als kulturellem Stadtraum.
Die Dauerhaftigkeit von Gebäuden ist gleichzeitig die Grundlage für ihre Veränderung und Weiterentwicklung. Wir nutzen, was vorhanden ist und schonen damit Ressourcen. Wir entfernen, was im Weg steht und ermöglichen damit Zukunft. Wir fügen hinzu, was fehlt und sichern damit die Dauerhaftigkeit. Ein Prinzip, das über hunderte von Jahren praktiziert wurde und erst im letzten Jahrhundert sukzessive aufgegeben wurde.
Das Erdgeschoß wird in seiner Kleinteiligkeit soweit adaptiert, dass ein Veranstaltungsraum für ca. 40 Personen Platz findet. Hier öffnet sich der Raum bis ins Dach und bietet den Rahmen für Konzerte in Wohnzimmeratmosphäre. Weiternutzen ist unser Leitgedanke, und so ist es vorstellbar, dass aus den Pfosten, die derzeit noch den Dachraum abtrennen, später tatsächlich jene Bretter werden, die für manche die Welt bedeuten.
Lebendig wird das Girardihaus auch durch eine professionell geführte Gastronomie werden, die – der jahrzehntelangen Tradition entsprechend – wieder im Untergeschoß etabliert wird. Als Wohlfühlort wird das Lokal ein neuer Ankerpunkt der Leonhardstraße werden und an alte Zeiten anschließen, als der Girardikeller ein Fixpunkt der Grazer Lokalszene war.
